Science Slam der Techniker (TK): Diese 7 Ideen von morgen muss man schon heute kennen!

Science Slam
Dennis Ebbecke
25.07.2018

Wusstest du eigentlich, dass Eisbären gar nicht weiß sind? War dir bewusst, dass es 200.000 verschiedene Mikroalgen gibt? Und glaubst du, dass man aus Bäumen Treibstoff gewinnen kann? Mit diesen und unzähligen weiteren Fragen beschäftigten sich Nachwuchswissenschaftler im Rahmen der Techniker Science Slam Tour 2018. Wir präsentieren die Highlights des Rockkonzerts der Wissenschaft sowie 7 Ideen von morgen, die man schon heute kennen muss!

Der im März verstorbene Stephen Hawking hat einmal gesagt: „Kein Physiker betreibt Forschung mit dem Ziel, einen Preis zu gewinnen. Es ist die Freude, etwas Neues zu entdecken, das niemand zuvor wusste.“ Die Zuschauer der Techniker Science Slam Tour 2018 kamen in den Genuss des Rockkonzerts der Wissenschaft, das den Gedanken hinter diesem legendären Zitat ziemlich treffend widerspiegelt. 2GLORY war beim achten und letzten Event der aktuellen Tour in Hamburg live vor Ort und erlebte hochmotivierte Slammer, Aha-Momente und staunende Blicke, soweit das Auge reichte.

Eine Siegerin wurde mit Anastasia August (Thema: „Wärme speichern wie ein Bär“) zwar gefunden, doch sowohl ihr als auch ihren vier Mitstreitern war anzumerken, dass es etwas Wichtigeres gab als den Goldenen Handschuh – und zwar das Motto „Fortschritt leben“ im wahrsten Sinne des Wortes mit Leben zu füllen. Die Techniker (TK) holte diesen Frühling beziehungsweise Sommer in acht deutschen Städten Nachwuchswissenschaftler auf die Bühne, die dem Motto entsprechend wissenschaftliche Erkenntnisse erklärten und ihre Innovationen vorstellten. „Mission accomplished“, wie uns der Moderator der Science Slam Tour im Interview verriet. „Jeder Slam hatte seine eigenen Momente, aber die dynamische Energie eines Rockkonzertes drang eigentlich fast immer durch“, lautet das Fazit von Rainer Holl.

Was ist der Unterschied zwischen einem Science Slam und einem Poetry Slam?

Doch was ist eigentlich ein Science Slam? Diese Frage richteten wir an Rainer Holl, der auf eine große Erfahrung zurückblicken kann: „Science Slammer*innen haben meist nur einen Vortrag über ihr jeweiliges Forschungsprojekt. Poetry Slammer*innen haben hingegen Dutzende von Texten. Das bringt die Natur der Sache mit sich. Für einen Science Slam-Vortrag muss man oft jahrelang forschen. Das ist beim Poetry Slam anders. Außerdem hat man beim Poetry Slam weniger Zeit und darf keine Requisiten verwenden. Beim Science Slam ist innerhalb zehn Minuten alles erlaubt, was nicht gegen die Brandschutzordnung verstößt.

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„Fortschritt leben“: Rainer Holl holte in Hamburg fünf Slammer auf die Bühne, die das Motto mit Leben füllten.

Bei der Techniker Science Slam Tour trafen Materialwissenschaftler auf Neurobiologen und Medizintechniker. Was zunächst nach langweiligen Vorlesungen klingen mag, entpuppte sich als eine gigantische wissenschaftliche Party, die dank der Slammer, des bestens aufgelegten Moderators sowie der begeisterten Zuschauer überhaupt erst möglich wurde. Nicht zu vergessen die mutige Haltung der Techniker, die ihren starken Worten („Um echte Innovationen zu schaffen, müssen Standards gebrochen werden“) Taten folgen ließen. Einen Preis gab es dafür zwar nicht, doch wie sagte einst Stephen Hawking? Richtig: „Es ist die Freude, etwas Neues zu entdecken, das niemand zuvor wusste.“

Unser Fazit: So würden sogar Schul-Muffel in den Bio- oder Chemie-Unterricht strömen! Wenn du auch mal einen Science Slam besuchen möchtest, findest du hier die weiteren Termine. Es muss nicht immer Kino sein!

Hole dir jetzt deinen Aha-Moment ab: Diese 7 Ideen von morgen machte die Science Slam Tour 2018 schon heute möglich!

1

Wärme speichern wie ein Bär

Wusstest du eigentlich, dass Eisbären in Wirklichkeit gar nicht weiß sind, sondern eine schwarze Haut haben? Kein Scherz! Das ist jedoch nicht die einzige Erkenntnis, mit der Anastasia August, die Siegerin des Science Slams in Hamburg, überrascht. Ihr gelungener und zudem auch besonders unterhaltsamer Vortrag lebt von vielen Wow-Effekten – mit einem ernsten Hintergrund. Die Materialwissenschaftlerin forscht an nachhaltigen Wärmesystemen. „Unsere Idee von morgen ist es, von der Natur so viel wie möglich zu lernen“lautet Anastasias Motto. Bezogen auf ihr Projekt heißt das, „die Wärme so zu speichern, dass man sie später entnehmen kann“.

2

Ich glaub`mich trifft der Schlag

Mit einem Knalleffekt startet Jochen Müller aus Kassel seine Slams. Der zunächst harmlos erscheinenden Bitte an das Publikum, dass alle Raucher, Alkoholtrinker, Fast-Food-Esser und Sport-Muffel ihre Hand heben mögen, folgt sein mit einem Augenzwinkern versehener Intro-Abschluss: „Um euch geht es heute, es geht um den Schlaganfall.“ Der Neurobiologe spricht aber nicht nur über mögliche Auslöser des Schlaganfalls, sondern auch über Lösungen, wenn es doch passieren sollte (zweithäufigste Todesursache in Industrieländern).Wir haben ein neues Kontrastmittel entwickelt, das nicht nur sichtbar macht, ob eine Blutung vorliegt, sondern wie stark diese ist. Wie dicht oder undicht ist die Aderwand?“ Durch die Reduzierung der Fehler in der Diagnose kann mehr Patienten schneller geholfen werden. Beim Schlaganfall kommt es in erster Linie auf Geschwindigkeit an.

3

Treibstoff aus Bäumen

Wer wissen möchte, wie man aus Bäumen nachhaltigen Treibstoff herstellen kann, ist bei Claudia Wöckel bestens aufgehoben. Die physikalische Chemikerin aus Leipzig widmet sich der Frage, die uns letztlich alle etwas angeht: Wie kann man in 20 Jahren noch Auto fahren?

4

Mikroalgen und das MiniMax Prinzip

Sind Mikroalgen die Nahrung der Zukunft? Mit dieser Frage beschäftigt sich Ulrike Neumann, ihres Zeichens Mikrobiologin an der Universität Hohenheim/Stuttgart – und enthüllt Erstaunliches. Wer hätte gedacht, dass es 200.000 verschiedene Mikroalgen gibt. Sie räumt anschaulich damit auf, dass diese wie der Kaktus und der Igel (beide stachelig) in eine Schublade gesteckt werden. Wer ihren Vortrag sieht, wird nie mehr vergessen, dass Mikroalgen eine echte Proteinquelle der Zukunft sind.

5

Pimp my bioplast

Simon McGowan aus Hannover spricht über Biokunststoffe als Alternative zu herkömmlichem Plastik – und beantwortet Fragen zu Biokunststoffen, die vielen unter den Fingernägeln brennen. Kann man das essen? Biokunststoffe sind doch grün? Lösen sie sich auf, wenn es regnet? Der Bioverfahrenstechniker weiß, wovon er redet – auch weil sein „Pimp my bioplast“-Programm schon seit ein paar Jahren der Renner ist, wie das folgende Video beweist …

6

Instrumentierte Implantate

Der Medizintechniker Peter Westerhoff erklärt, dass künstliche Gelenke im Vergleich zu natürlichen noch zu schlecht sind und nur 20 bis 30 Jahre halten. Unter dem Motto „Pimp my implant“ machen der Berliner und seine Kollegen nun alles besser und geschmeidiger.

7

Und die Moral von der Geschicht ...

… lautet: Jeder kann Fortschritt leben – und sei es in einem gefühlt noch so kleinen Bereich. Wenn die Science Slams der Techniker (TK) es geschafft haben sollten, Menschen zum bewussten Nach- bzw. Umdenken anzuregen, dann hat es sich bereits gelohnt. Oder wie es Moderator Rainer Holl ausdrückt: „Ich glaube, die Idee, Fortschritt zu leben, bedeutet nichts anderes als lebenslanges Lernen. Also die Tatsache zu leben, dass wir nie ganz fertig sind. Und vor allem, dass es nicht bloß Impulse von außen sind, die uns weiterbringen, sondern wir selbst. Und das muss man sich eben immer wieder in Erinnerung rufen.“

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