Typisch deutsch! Über die häufigsten Klischees und ihren Wahrheitsgehalt

Typisch deutsch! Über die häufigsten Klischees und ihren Wahrheitsgehalt

Menschen lieben Klischees. Denn Schubladen machen das Leben leichter. Wer in Schubladen denkt, erlebt keine bösen Überraschungen, frei nach dem Motto „Ich hab’s doch gleich gewusst“, richtig? Falsch! Zwar mögen viele Klischees einen wahren Kern haben, doch die meisten sind einfach nur lächerlich. Genau deshalb wird es nun Zeit für das eine oder andere Schmunzeln bei einem Blick auf die häufigsten Vorurteile über uns Deutschen – und einer genauesten Prüfung auf deren Wahrheitsgehalt. Vorhang auf …

Zugegeben: Selbst wir Deutschen haben manchmal das eine oder andere Vorurteil gegenüber unseren Mitbürgern und Mitbürgerinnen. Es gibt eben auch tatsächlich „Exemplare“, welche sich scheinbar zum Vorsatz gemacht haben, jedes – aber auch wirklich jedes – Klischee über Deutsche zu 100 Prozent zu erfüllen. Die Rede ist von den blassen deutschen Mallorca-Touristen mit Bierbauch im Hawaii-Hemd und grauenvoll schlechtem Englisch. Doch damit nicht genug. Es wird Zeit, sämtliche Klischees auszupacken und dabei auch einen Blick in andere Länder zu werfen à la „Was denkt ihr eigentlich von uns Deutschen“?

Die Deutschen sind …

Das Thema Klischees und Vorurteile hat übrigens unlängst die Wissenschaft beschäftigt und so gibt es mittlerweile zahlreiche Studien zu Fragen wie „Welche Vorurteile hegen verschiedene Nationen übereinander?“ oder „Stimmen die Klischees bezüglich typisch deutscher Eigenschaften?“. Jeder Mensch ist bekanntlich unterschiedlich und so gibt es vom „typisch Deutschen“, der sich wohl in allen folgenden Schubladen wiederfindet, bis zum absoluten Gegenteil gewiss auch hierzulande allerhand Charaktere. Zum Glück, denn sonst wäre es ja auch irgendwie langweilig – und zwar im wahrsten Sinne des Wortes. Denn ginge es nach den Klischees, wären wir Deutschen alles andere als lustige Gesellen.

… humorlos!

Tatsächlich sagen uns die anderen Nationen nämlich nach, nicht unbedingt über einen (guten) Sinn für Humor zu verfügen. Wir können darüber nur lachen und werten das erste Klischee damit schon einmal als entkräftet. Doch das war erst der Anfang.

… pflichtbewusst!

Ein Vorurteil, das schon realistischer klingt. Denn nicht ohne Grund, ist Deutschland dafür bekannt, einen regelrechten Urwald aus Straßenschildern zu haben, eine Unmenge an Regeln sowie das wohl komplexeste Steuersystem der Welt – so fühlt es sich jedenfalls bei der alljährlichen Steuererklärung an. Und dennoch setzen wir Deutschen uns Jahr für Jahr hinter diese Steuererklärung und erledigen sie gewissenhaft. Ebenso gehen wir zur Arbeit, obwohl wir eigentlich krank sind, und fünf Minuten vor der Zeit ist bekanntlich des Deutschen Pünktlichkeit. Dass die Deutschen überdurchschnittlich gewissenhaft, pünktlich und diszipliniert sind, mag also zu großen Teilen stimmen. Das bedeutet aber nicht, dass nie jemand bei Rot über die Ampel gehen oder zu einem Meeting zu spät kommen würde. Denn die Menschen hierzulande sind eben auch „nur“ Menschen.

… leistungsorientiert!

Dass die Deutschen ihre Pflichten lieben, liegt auch schlichtweg daran, dass Erfolg sowie Leistung in der heimischen Kultur eine wichtige Rolle spielen. Dies mag auch geschichtlich bedingt sein, denn das zerstörte Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg wurde nur durch eine Menge Fleiß und Disziplin wieder aufgebaut sowie in ein Wirtschaftswunder verwandelt. Nach den traumatischen Erfahrungen ihrer Vorfahren, möchten die heutigen Generationen einfach in Frieden leben, mit Wohlstand und Sicherheit. Ein Klischee, das durchaus seinen Wahrheitsgehalt hat – doch wandeln sich die Werte mittlerweile in den jungen Generationen Y, X und Z. Sie möchten in Zukunft mehr leben und weniger leisten. Gleichzeitig sehnen sie sich aber nach traditionellen Werten wie einer intakten Familie und finanzieller Sicherheit. Wie gesagt: Menschen lassen sich nicht immer in die eine oder andere Schublade stecken – auch nicht wir Deutschen!

… (über-) versichert!

Sicherheit, das Stichwort ist bereits gefallen. Es muss an dieser Stelle aber noch einmal aufgegriffen werden, denn das hohe Sicherheitsbedürfnis der Deutschen ist mehr als nur ein Vorurteil. Tatsächlich gaben im Rahmen der b4p-Studie, mehr als die Hälfte der Befragten an, sich gegen jedes denkbare Risiko zu versichern. Damit liegen wir über dem europäischen Durchschnitt.

… Bierliebhaber!

typisch deutsch
Foto: Pixabay.com © Free-Photos

Zugegeben, das Bier gehört für viele Menschen ebenso zum typischen Deutschen wie die Lederhosen und Bayern. Dennoch steht es nicht an erster Stelle der beliebtesten Getränke in der Bundesrepublik. Glücklicherweise greifen hier nur die Wenigsten beim Frühstück oder in der Mittagspause zum Bier. Stattdessen liegt das Mineralwasser auf dem ersten Platz, Fruchtsäfte auf dem zweiten und Kaffee auf dem dritten Rang. Tatsächlich ist das Bier aber das beliebteste alkoholische Getränk der Deutschen – also ist das Klischee nicht ganz unwahr.

… sparsam!

Deutschland ist Weltmeister – zumindest, wenn es um das Sparen geht. Ja, Geiz ist hierzulande geil und die Deutschen kennen wohl so ziemlich jeden Trick, um im Alltag möglichst viel Geld zu sparen. Die Sparquote liegt hierzulande bei elf Prozent. Im Vergleich dazu sind es in den USA nur 0,5 Prozent. Leider schaffen es aber längst nicht alle Haushalte, sich ein finanzielles Polster anzueignen. Während also die Reichen mehr und mehr sparen, leben die Geringverdiener immer näher an der Armutsgrenze. Klar, dass Letztere dann sparsam sind. Sie haben schließlich keine andere Wahl.

… die Erfinder des Karneval!

typisch deutsch
Foto: Pixabay.com © Couleur

Auch, wenn wir die Erfindung der verrückten Zeit zwischen dem 11.11. und Mitte Februar gerne für uns beschlagnahmen würden, so stimmt auch dieses Klischee nicht. Stattdessen stammt der Karneval, der Fasching oder die Fasnet – wie das närrische Event in verschiedenen Regionen Deutschlands genannt wird – ursprünglich aus dem Nahen Osten. Nichtdestotrotz gilt Köln mittlerweile als die Hochburg für den Karneval und zieht jedes Jahr unzählige Fans von Verkleidungen, Straßenparaden & Co aus aller Welt an. Zumindest, wenn es also um den modernen sowie „kalten“ Karneval mit Masken und „Kölle Alaaf“ im Winter geht – im Gegensatz zum „heißen“ Straßenkarneval in Rio de Janeiro – können wir uns also doch irgendwie als Erfinder betiteln…oder würden wir zumindest gerne.

… Schlagerfans!

Es ist schon beinahe peinlich, laut auszusprechen, doch wir Deutschen haben musikalisch nicht unbedingt eine große Tradition vorzuweisen. Wenn es überhaupt Musik gibt, die als „typisch deutsch“ betitelt werden könnte, ja, dann ist das wohl die Schlager- sowie Marschmusik. Letztere weckt aber nicht unbedingt gute Erinnerungen und auch beim Gedanken an die alljährlichen Schlagerhits, welche betrunkene Touristen in mallorquinischen Clubs mitgrölen, lösen in den meisten Menschen hierzulande eher Gänsehaut aus – und zwar nicht im positiven Sinne. Helene Fischer mag eine Ausnahme sein, die es irgendwie geschafft hat, den Schlager zumindest teilweise wieder in den jüngeren Generationen und abseits von Mallorca populär zu machen. Aber alles in allem lautet die Antwort definitiv: Nein, die meisten Deutschen sind keine Schlagerfans!

… Socken-in-Sandalen-Träger!

typisch deutsch
Foto: Fotolia.com © Suzanne Plumette

Dieser fragwürdige Style lässt sich bei so manchen Deutschen im Sommer tatsächlich beobachten – vorwiegend bei Herren mittleren bis hohen Alters. Was hinter dem Gedanken steckt, dass Socken in Sandalen sinnvoll sein mögen, verstehen die Träger aber wohl nur selbst. Glücklicherweise haben die meisten Deutschen tatsächlich einen Sinn für Ästhetik und somit muss dieses Klischee verneint werden. Socken in Sandalen sind hierzulande weder in Mode noch gelten sie als sexy. Punkt.

… verschlossen!

Es mag durchaus sein, dass die Menschen in der Bundesrepublik nicht jeden Fremden direkt in die Arme schließen, wie das in anderen Ländern sprichwörtlich gemacht wird. Vielleicht laden wir auch nicht sofort Unbekannte in unser eigenes Zuhause ein und es braucht etwas Zeit, bis wir dicke Freundschaften schließen. Mit Verschlossenheit hat das aber weniger zu tun als mit Vorsicht. Und genau diese Vorsicht ist manchmal gar nicht so schlecht. Laut der bereits zitierten b4p-Studie, bezeichnen sich aber trotzdem 84 Prozent der Deutschen als kontaktfreudig. Sie sind also durchaus offen für neue Bekanntschaften. Wir legen eben einfach noch Wert auf richtige Freundschaften anstelle von vielen oberflächlichen Kontakten. Für sowas haben wir keine Zeit, denn wir sind fleißig.

Und Ironie steckt hinter den Zeilen auch nicht, denn wir sind bekanntlich humorlos. Gut, dass schlussendlich eben doch nicht alle Klischees stimmen. Wir jedenfalls finden, das Land der Dichter und Denker hat eine Menge Gründe, so zu bleiben wie es ist und stolz auf die eigene Identität zu sein. Prost!