Kommentar: Wenn Trump Kim trifft, kann nur Irrsinn dabei herauskommen

Kommentar: Wenn Trump Kim trifft, kann nur Irrsinn dabei herauskommen

Erinnert sich noch jemand daran, wie vor acht Jahren die Häuptlinge der Hells Angels und der Bandidos einen medienwirksamen Rocker-Frieden inszenierten? Was soll man sagen: Wenn Donald Trump Kim Jong Un die Ehre gibt, wirkt dagegen sogar der Handschlag der Kuttenträger wie glaubwürdige Diplomatie.

So gesehen folgten dem Rocker-Frieden auch Taten, zumindest die großen öffentlichen Fehden sind in Deutschland Geschichte. Und genau das ist der Punkt, an dem es zwischen dem amtierenden amerikanischen Präsidenten und Nordkoreas bizarrem Machthaber schwierig werden könnte.

So sieht's doch aus.

Gepostet von Extra 3 am Dienstag, 12. Juni 2018

Besser als die Kollegen von Extra3 kann man es nicht auf den Punkt bringen – und das Erschreckende daran ist der Wahrheitsgehalt. Den man kaum erfassen würde, hätte Trump nicht erst wenige Tage zuvor aus dem Flugzeug heraus die ohnehin spärlichen Ergebnisse des G7-Gipfels in Kanada mit einem Tweet über den Haufen geworfen.

Wie hat Trump Kim auf Kurs gebracht?

Wie mag das Gespräch zwischen den beiden abgelaufen sein? Die beiden, die noch vor Monaten mit der Größe ihrer Atomknöpfe herumgeprahlt haben – und sich jetzt gegenseitig ihre Staatskarossen zeigen (okay – nur Trump zeigte Kim seinen Dienstwagen). Donald Trump könnte Kim vorgeschwärmt haben, welche Geldsegen Nordkorea erwarten kann, wenn erst einmal die amerikanische Wirtschaft und die Touristen auf den Geschmack kommen. Realitätsgehalt? Alternative Fakten! Denn mit solchen kennen sich auch nordkoreanische Machthaber traditionell ganz hervorragend aus, wenn sonst schon nicht mit sonderlich viel. Brauchen sie aber auch nicht, denn dafür gibt es ja die Chinesen, die Kim sicherlich auch bei dem Treffen mit Trump gründlich gebrieft und an der Leine gehalten hat.

Eigentlich wäre dies ein guter Zeitpunkt zu sagen: „Man wird es wohl nie erfahren.“ Da Donald Trump sein Herz aber bekanntlich auf der Twitter-Zunge trägt und mit dieser unreflektiert losblubbert, kann man sich selbst dessen nicht mehr so sicher sein. Vielleicht hätten diese Infos dann aber so oder so keine Relevanz mehr, weil Trump Nordkorea dann schon längst wieder auf die Achse des Bösen getwittert hat. Etwa, weil ihm aufgefallen ist, dass die dortige Bevölkerung sein Gezwitscher mangels Internet nicht einmal mitbekommen kann. Vielleicht wartet er damit aber auch erst noch ab, ob er wirklich den Friedensnobelpreis bekommt (sic!).

Während ich diese Zeilen schreibe, höre ich im Radio, dass Trump Kim als „intelligent und verlässlich“ bezeichnet hat. Man fragt sich unweigerlich, warum gerade Donald Trump eine dieser Eigenschaften beurteilen können sollte. Dass man es sofort glaubt, dass sich diese beiden gut verstehen und in den anderen hineinversetzen können, macht die Sache aber letztlich nur noch verstörender …