Karneval: Eine Geschichte voller Missverständnisse

Karneval: Eine Geschichte voller Missverständnisse

Saufen, fressen und komische Karnevalslieder singen. Das sind insbesondere für viele Nicht-Karnevalisten Synonyme für den Karneval. Was dabei oft übersehen wird: Der Fasching entstammt einer Region, die seit vielen Jahren nicht viel Anlass zur Freude hat.

Carnival, Fastnacht, Carnaval, Fasching, Fastelovend. Für den Karneval gibt es viele Bezeichnungen. Doch sie alle eint eine Geschichte. Was wir in Deutschland vor allem als winterliches Besäufnis in den Rhein- und Main-Metropolen kennen, nahm seinen Ursprung einst zwischen Aleppo und Bagdad. Bereits vor 5.000 Jahren wurde in Mesopotamien, dem heutigen Irak oder Syrien, das Gleichheitsprinzip in Form von Karneval zelebriert.

„Kein Getreide wird an diesen Tagen gemahlen. Die Sklavin ist der Herrin gleichgestellt und der Sklave an seines Herrn Seite. Die Mächtige und der Niedere sind gleichgeachtet.“, heißt es in alten Schriften.

Was aus heutiger Sicht unglaublich klingt, ist in Anbetracht der Erdgeschichte noch nicht einmal einen Wimpernschlag her.

Karneval Geschichte: Europa als Zentrum des Karnevals?

Im Laufe der Geschichte wurde die Bedeutung des Karnevals den jeweiligen Kulturkreisen angepasst. So entstand der hiesige Fasching im 12. Jahrhundert. Anfangs als Parodie auf kirchliche Zeremonien gedacht, entwickelte sich der kölsche Fastelovend über die Jahrhunderte zu einem Megaereignis, das auch heute noch Jahr für Jahr Millionen Menschen an den Rhein lockt. Während im Mittelalter ein Weiterfeiern nach Fastnacht von der Kirche strafrechtlich verfolgt wurde, wird das heute nicht ganz so ernst gesehen. Doch auch heute noch, hat es sich für die meisten Menschen nach der sogenannten Nubbelverbrennung ausgefeiert. Wohl aber weniger aus traditionellen, denn aus konditionellen Gründen. Dabei wird eine Strohpuppe an sämtlichen Ecken verbrannt, die die Laster der vergangenen Tage vergessen machen soll.

„Fleisch, lebe wohl!“

Karneval war also schon immer ein Fest der Freude, des Lasters, was schon der Name verrät. Das Wort Karneval ist in dem Ausspruch „Carne levare“ begründet, was im übertragenen Sinne so viel wie „Fleisch, lebe Wohl“ bedeutet, als Synonym für die Fastenzeit. Da die österliche Fastenzeit nach Karneval beginnt, geht es also darum vom 11.11. an bis Aschermittwoch alle nicht fastenzeittauglichen Lebensmittel zu verzehren. Allen voran: Alkohol jeder Art, Fett, Fleisch, Süßes & Co. Somit dient der Karneval als Vorbereitung für die Fastenzeit. Wie viele das heute wohl noch wissen? Im Zuge der Kommerzialisierung des Ereignisses vermutlich nicht viele.

Karneval in Rio – nur eine Kopie?

Deutsche Nicht-Karnevalisten können maximal etwas mit dem Karneval in Rio oder in anderen südeuropäischen Ländern anfangen. Doch dazu sei gesagt, dass das Original gar nicht aus Brasilien stammt. Einige Jahrhunderte später erst, kam der Karneval durch portugiesische Einwanderer nach Südamerika. Hier ist eine völlig eigenständige Bewegung entstanden, die aus unserer Sicht exotischer und schicker, ja zilvilisierter, erscheint. Historisch gesehen, ist jedoch der Kölner Karneval  näher am Original-Brauchtum dran, als der in Rio de Janeiro. Ein Missverständnis, über das selten gesprochen wird. Warum auch, haben doch alle Karnevalshochburgen der Welt eines gemeinsam: In jedem Fall steht das friedliche Feiern und Schlüpfen in fremde Identitäten im Vordergrund – ganz nach dem Gleichheitsprinzip, wie es vor Tausenden von Jahren angedacht war. Ausnahmen bestätigen die Regel.

In diesem Sinne: Hoch die Tassen, jeder Jeck ist anders und et hätt noch immer jot jejange!