Alltagsfragen: Warum ist Diesel günstiger als Benzin?

Alltagsfragen: Warum ist Diesel günstiger als Benzin?

Treibstoff ist momentan mal wieder das große Thema: Ganz aktuell gehen in Frankreich Menschen auf die Barrikaden und zetteln mitunter gewalttätige Proteste an, um sich gegen hohe Spritpreise und in diesem Zusammenhang geplante Steuererhöhungen zu wehren. Abgesehen davon, dass sich auch in Deutschland Frust über dieses Thema zusammenbraut, ist der Dieselmotor seit Monaten ein absolutes Reizthema. Umso mehr drängt sich die Frage auf: Warum ist Diesel günstiger als Benzin?

Oberflächlich ist diese Frage denkbar schnell beantwortet: Diesel wird nicht so hoch besteuert wie Ottokraftstoff. Allerdings knüpft sich umso drängender die unvermeidliche Folgefrage an: Warum ist das so?

Diesel günstiger als Benzin? Der Wirtschaft sei Dank – und der EU

Hinter dieser – vor dem Hintergrund der potenziell großen Umweltschädigung durch Dieselabgase schwer nachvollziehbaren – Steuerpolitik steckt der Plan, die Wirtschaft zu stärken: Egal, ob auf der Baustelle, beim Warentransport, bei Handwerken, bei Rettungsdiensten im Nahverkehr oder nahezu jeglichem anderen öffentlichen oder gewerblichen Transportwesen: Dieselmotoren sind seit Ewigkeiten und bis heute der absolute Standard. Würde Diesel genauso viel oder gar mehr kosten als Benzin, würde das enorm höhere Kosten für all diese Dienstleistungen bedeuten – die sich natürlich auch in den Preisen des jeweiligen Gewerbes niederschlagen würden.

 

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Unabhängig davon, welche alternativen Kraftquellen sich in Zukunft etablieren, wird das wohl nicht auf Dauer so bleiben: Denn das Bewusstsein für die Problematiken des Diesels wächst stetig – und vor allem war der ursprüngliche Gedanke hinter dieser steuerlichen Bevorzugung keineswegs der, dass sich der Dieselmotor auch bei den privaten PKW so etabliert! Der Boom begann erst, nachdem die steuerlichen Vergünstigungen in Kraft traten – eine EU-Verordnung aus den Neunzigern machte dieses Vorgehen möglich. So stieg die Anzahl an produzierten Diesel-PKWs von rund 660.000 im Jahr 1990 auf über 2,6 Millionen in 2008 an.

Die höheren Anschaffungskosten eines Dieselfahrzeugs amortisieren sich schnell, wenn man 10.000 bis 20.000 Kilometer im Jahr fährt. In keinem anderen Land gibt es so viele Diesel-PKW wie in Deutschland, während in Ländern, in denen dieser Preisunterschied nicht existiert (etwa in den USA) der Dieselmotor für private Nutzung so gut wie keine Rolle spielt.

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