Scream for me: Happy Birthday zum 60., Bruce Dickinson!

Scream for me: Happy Birthday zum 60., Bruce Dickinson!

Meine erste bewusste Begegnung mit Iron Maiden – und damit auch mit Bruce Dickinson – ergab sich just in dem Moment, als deren gemeinsamer Weg vorerst ein Ende gefunden hatte. Die beiden Live-Alben „A Real Live One“ und „A Real Dead One“ gelten nicht gerade als Highlights in der Diskografie der eisernen Jungfrauen (was auch daran liegt, dass es an eben solchen Highlights wahrlich nicht mangelt). Und dennoch haben sie mir mehr als deutlich gemacht, warum Iron Maiden mit dem alles andere als schlechten Blaze Bayley als Sänger (1994 – 1998) eben nicht mehr Iron Maiden waren.

Dabei fehlte Bruce auch auf den ersten beiden Alben, die den Kult um die Band bereits begründeten (Hier kannst du dich durch das Maiden-Gesamtwerk hören) – aber da wusste eben auch noch niemand, dass er das fehlende Puzzle-Teil war, das zur absoluten Maiden-Perfektion fehlte. Dass er zum dritten Album „The Number Of The Beast“ von 1982 pünktlich zum vielleicht hochkarätigsten Album in die Band kam? Vielleicht Zufall. Vielleicht der Masterplan von Band-Häuptling Steve Harris. Auf jeden Fall großes Kino: Die Dickinson’sche Melange aus Charakterstimme und enormen Gesangsqualitäten knallt mitten ins emotionale Zentrum. Als hätte es noch einen Beweis für die besondere Magie der Kombi Maiden/Dickinson gebraucht, ist sein Comeback-Album „Brave New World“ von 2000 für meinen Geschmack eines der absoluten Highlights im Band-Portfolio geworden – wohlgemerkt nicht nur wegen des Gesangs.

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Auch der Typ hinter der Stimme selbst lässt niemanden kalt! Bruce Dickinson ist grundsympathisch, mit feinsinnigem Humor gesegnet und ein hyperaktives Multitalent, das aus seinen Aktivitäten auch drei oder vier vollwertige Karrieren hätte stricken können: Er ist begeisterter Pilot und fliegt auch die dicksten Brummer selbst. Er fechtet auf Profiniveau. Er hat Radiosendungen moderiert. Und selbst musikalisch konnte ihn die schwer beschäftigte Mega-Band scheinbar nicht ausfüllen: Seit 1990 hat er sechs Soloalben veröffentlicht – für die er übrigens (wie bei Maiden) außer den Texten kaum etwas zum Songwriting beigetragen hat. Was er angesichts seiner Power-Stimme aber auch nicht muss, um unverwechselbaren Dickinson-Sound (Auf Vinyl mindestens so großartig wie auf digitalen Medien) zu produzieren.

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Bruce Dickinson – der 60-jährige Übermensch, der keiner ist

Dass dieser Kerl nicht übermenschlich wirkt, liegt einzig und allein daran, dass er so verdammt menschlich rüberkommt. Und wahrscheinlich ist das eines der Kerngeheimnisse hinter dem Kult um den kleinen Engländer, der tatsächlich 60 Jahre alt geworden ist! Eine Lebensreife, die man kaum glauben kann, wenn man ihn mit all seiner Energie auf der Bühne erlebt. Einzig die Tatsache, dass es seit Kurzem eine Autobiographie von ihm gibt, deutet darauf hin, dass dieses Leben seinen Zenit schon überschritten hat. Seine Energie und sein unbändiger Wille, Dinge durchzuziehen, hat ihm wohl auch über den größten Schock für ihn und seine Fans hinweggeholfen: 2014 wurde bei ihm Zungenkrebs diagnostiziert, den mittlerweile aber besiegt und der schon fast wieder vergessen ist.

Es ist also noch lange nicht Schluss mit „Scream for me!“ – und selbst wenn Iron Maiden irgendwann in absehbarer Zeit ihr Maskottchen Eddie und damit die Band selbst in Rente schicken, ist es beim besten Willen nicht vorstellbar, dass Bruce Dickinson die Füße hochlegt, so lange er noch die Kraft hat, sie für irgendwas anderes zu nutzen. In diesem Sinne: Auf die nächsten 60 Jahre, Bruce Dickinson!

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